Akademisches Blasorchester München - Foto
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Programm 2009:

Akademisches Blasorchester München:

Motto: Sea Songs
Ltg. Michael Kummer

Konzerte:
Freitag, 6.3.2009, 20 Uhr, Gilching, Gymnasium

Samstag, 7.3.2009,
19 Uhr, Bad Wiessee, Hotel zur Post

Sonntag, 8.3.2009, 19 Uhr
München, Gasteig,Carl-Orff-Saal


Mit folgenden Werken:

Richard Wagner (1813–1883) (Bearbeitung: John Glenesk Mortimer): Vorspiel zu »Der fliegende Holländer« (1843)

Ralph Vaughan Williams
(1872–1958): Sea Songs (1923)

Boris Pigovat
(*1953): Song of the Sea (2005) Poem for Symphonic Wind Band
- Europäische Uraufführung durch das Akademische Blasorchester München -

David Bedford (*1937): Sun Paints Rainbows on the Vast Waves (1984)

Stephen Melillo (*1957): AHAB! (1992)

Thomas Knox (1937–2004): Sea Songs (1980)

Zugaben:
Charles A. Zimmerman (
Bearbeitung: James Barnes): Anchors Aweigh

James Barnes: Yorkshire Ballad



Mitwirkende Musiker/innen:
(in alphabetischer Reihenfolge)

Piccolo/Flöte:
Regina Dinkel (Kolbermoor)

Flöte:
Iris Eiglsperger (Würzburg)
Johanna Hagmann (München)
Ines Haimmerer (Rohrdorf)
Andreas Litzlbeck
(Markt Schwaben)

Alt-Flöte/Flöte:
Johanna Hagmann (München)

Oboe/Englischhorn:
Horst Däullary (Wasserburg/Inn)

Oboe:
Sabine Hickmann (Nürnberg)
Alexandra Schupp (Freising)

Es-/B-Klarinette:
Petra Jercic (Türkenfeld)

B-Klarinette:
Marion Agatha (München)
Sabine Bachmaier
(Burgkirchen)
Berthold Büdel (Ingolstadt)
Helge Dyk (Weßling)
Hans Edelmann (Wolfsburg)
Claudia Keegan (Aiglsbach)
Peter Keegan (Aiglsbach)
Margit Kuczera (Forstern)
Brigitte Rupp (Geretsried)
Georg Schied (Halfing)
Irene Schleifer (München)

Alt-/Bass-Klarinette:
Erwin Köppendörfer (Schwabach)

Bass-Klarinette:
Claudia Keegan (Aiglsbach)
Roland Porsch (Fürstenfeldbruck)

Alt-Saxophon:
Udo Appel
(Holzhausen/Buchloe)
Mathias Stößlein (Mering)

Tenor-Saxophon:
Hanna Huber (Eiselfing)

Tenor-/Bariton-Saxophon:
Hubert Wallner
(Günzenhausen/Eching)

Fagott:
Wolfgang Greiter (Pliening)
Susanne Perret (Landshut)

Trompete/Flügelhorn/Cornet:
Katja Brunk (Buchloe)
Felix Hofmeir (München)
Christoph Lorenz (Waldkirchen)
Matthias Schelle (Deisenhofen)
Johannes Steinhart
(Bachern/Mering)
Andreas Stich (Deggendorf)
Franz Windshuber (Isen)

Waldhorn:
Sepp Bichler (Kiefersfelden)
Sabine Gaumert (München)
Nikolaus Maier (Garching)
Ferdinand Palm (Lohmen)
Maria Seidl (Waldkirchen)
Christian Weimer (München)
Posaune:
Jürgen Hindel (München)
Bernhard Lang (Burgkirchen)
Anja Reßle (Geisenfeld)
Christian Sonner (München)

Bassposaune:
Andreas Brenner (München)

Euphonium:
Rudolf Froschmayer (Soyen)
Christoph Metten (Sonnen)

Tuba:
Magda Grill (Soyen)
Monika Kreuzpaintner
(Grünwald)
Georg Vögele (Hurlach)

Kontrabass:
Richard Schürger
(Waakirchen)

Klavier/Kontrabass:
Arnim Wittich (Bad Tölz)

Pad Bass:
Andreas Stich (Deggendorf)

Schlagwerk:
Sonja Bauer (Eching)
Ursula Haydl (Germering)
Oliver Kessler (München)
Andreas Köder (München)
Markus Wolf (Rosenheim)
Gerrit Wüsthoff (Eching)


Sea Songs
Programmnotizen zum Konzert 2009

Seit relativ langer Zeit hatte ich schon vor, einmal ein Programm unter dem Motto „Meer und Seefahrt“ zu gestalten. Viele bedeutende Komponisten haben sich mit diesem faszinierenden Kontext auseinandergesetzt und wichtige Werke hierzu geschrieben – etwa Vaughan Williams die Sea Symphony oder Britten die Oper Peter Grimes.

Aber auch das 19. Jahrhundert fand dieses Thema fesselnd. So nimmt es denn nicht Wunder, dass kein Geringerer als Richard Wagner für eine seiner ersten Opern die schaurige Geschichte vom „Fliegenden Holländer“ verwendete und damit ein bis heute begeisterndes romantisches Werk geschaffen hat. Nichts lag also näher, als die Ouvertüre zu diesem mitreißenden Werk an den Anfang des Programms zu stellen, haben schließlich die klassischen Meisterwerke zum Beginn eines Konzertes ein lange Tradition, nicht nur beim Akademischen Blasorchester.
Die Oper handelt vom Fliegenden Holländer, einem Kapitän, der, als er wegen widrigen Wetters vergeblich versucht hatte, mit seinem Schiff das Kap der guten Hoffnung zu umrunden, gotteslästerlich geschworen hatte, in Ewigkeit von seinem Vorhaben nicht abzulassen, und deshalb dazu verdammt worden war, auf einem Geisterschiff mit schwarzem Mast und blutroten Segeln auf dem Meer zu segeln und nur alle sieben Jahre an Land gehen zu dürfen, bis er hierbei eine Frau finde, die ihm treu bleibe. Der Fliegende Holländer hat nach langen Jahren keine Hoffnung mehr, trifft aber die eigentlich dem Jäger Erik versprochene Senta, die ihn erlösen und heiraten will. Als der nun verschmähte Erik sich während der Festvorbereitungen noch einmal an Senta wendet und sie an die frühere Liebe erinnert, hört dies der Fliegende Holländer mit und glaubt, dass auch Senta ihm nicht die Treue halten kann. Er begibt sich zurück zum Schiff, um auf ewig unerlöst zu bleiben. Senta läuft ihm ihre Treue beschwörend nach und stürzt sich von einem Felsen ins Meer. Der Holländer ist erlöst.

Nach diesem Schwergewicht der symphonischen Literatur galt es einen leichtfüßigen Kontrapunkt zu setzen. Der schon erwähnte Engländer Ralph Vaughan Williams bereicherte das Blasorchester-Repertoire nur mit wenigen originalen Werken, in denen er sich meist der Volksmelodien seiner Heimat bediente. Sein kurzes im Marschstil gehaltenes Intermezzo „Sea Songs“ ist keine Ausnahme, auch hier werden wundervolle Volkslieder in ein symphonisches Klanggewand verpackt und zu einem echten Kleinod englischer romantischer Musik verwoben.

Der Komponist des Hauptwerkes "Sea Songs" vor der Pause ist der Israeli Boris Pigovat, geboren 1953 im russischen Odessa. Der Mentor der britischen Blasorchesterszene, Timothy Reynish, hat mich auf diesen hochinteressanten Komponisten aufmerksam gemacht. Die etwa 20 Minuten dauernde symphonische Dichtung für Blasorchester entstand 2005 als Auftragswerk für die Murray State University Band und hatte im gleichen Jahr eine viel beachtete Uraufführung in der New Yorker Carnegie Hall. Lassen wir den Uraufführungsdirigenten Dennis L. Johnson über das Werk zu Wort kommen: „Das dramatische Werk fängt die Schönheit und die Gewaltigkeit des offenen Meeres genauso ein wie dessen dunklere und bedeutungsschwangere Stimmung während eines wilden Sturmes. Das Werk nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise durch Windstille und Sturm und endet mit einem grandiosen Höhepunkt, der es mit jedem großen programmatischen Komponisten aller Zeiten aufnehmen kann. Mein Orchester und ich genossen die Erarbeitung und die Aufführung dieses Meisterwerkes sehr, genauso wie die begeisterte Menge in der Carnegie Hall, die uns dreimal zurück auf die Bühne rief. „Song of the Sea“ […] ist ein Meisterstück für Blasorchester.“

Der schon angesprochene Timothy Reynish darf auch als Initiator des 1984 entstandenen Werkes des bekannten englischen Komponisten David Bedford, geboren 1937 in London, gelten, hat er doch dieses Werk als damaliger Präsident des englischen Blasmusikverbandes in Auftrag gegeben. Der plastische Titel „Sun Paints Rainbows on the Vast Waves“, was übersetzt „Die Sonne malt Regenbogen über die weiten Wellen“ bedeutet, lehnt sich an eine Notiz des frühromantischen englischen Dichters Samuel Taylor Coleridge an. Dieser schrieb, als er an seinem bekannten Poem The Rime of the Ancient Mariner arbeitete, in sein Notizbuch: „Die See war stark aufgewühlt und der Wind sorgte, die Spitzen der Wellen mit sich reißend, für eine Art von Regen, in welchen die Strahlen der Sonne die Farben des Regenbogens malten“.
Das groß angelegte, auf einer Folge von acht Akkorden basierende Werk, arbeitet über weite Strecken mit minimalistischen Elementen wie stets wiederkehrenden rhythmischen Figuren, die eng ineinander zu einem Klangteppich verwoben werden, und bringt das Funkeln und Sprühen der Wassermassen des Meeres ebenso zur Geltung wie die monumentalen Lichteffekte der verschiedenen Tageszeiten auf dem Meer.

Herman Melvilles berühmter Roman Moby Dick diente dem US-Amerikaner Stephen Melillo als Inspiration für sein 1992 entstandenes Werk „AHAB!“. Der einbeinige Kapitän eines Walfangschiffes ist davon besessen, den weißen Wal Moby Dick, der ihm bereits sein Bein abgerissen hat, zu jagen und zu erlegen. Nach langer Fahrt kann Moby Dick endlich gesichtet werden. Den dreitägigen Kampf mit dem Wal verliert Ahab jedoch. Er wird von dem Tier unter Wasser gezogen und ertrinkt. Auch das Schiff versenkt der Wal. Nur ein Matrose überlebt die Katastrophe. Während in der gängigen Lesart Moby Dick als Held und Ahab als Person dargestellt wird, die mehr auf die dunkle Seite der Menschheit tendiert – wie dies auch in manchen Abschnitten von Melillos Komposition anklingt – sieht Melillo Moby Dick als Metapher für die falschen Gottheiten, die der Wahrheit im Wege stehen, und Ahab als den Helden, der diese erkennt – dass er sein Leben trotz dieser Erkenntnis von Moby Dick bestimmen lässt, ist sein tragischer Fehler. Melillo stellt in seiner Musik Ahab als Symbol für besessene Tapferkeit und Speerspitze an Mut und zielgerichteten Lebens dar, dessen Schicksal uns auf die unbeantwortbare Frage hinweist: „Was ist da dahinter?“

Der Abschluss des Konzertabends bringt nun wieder etwas leichtere Kost: Thomas Knox, einer der einflussreichsten US-amerikanischen Arrangeure für Blasorchester und Hauskomponist der amerikanischen United States Marine Band, schrieb seine „Sea Songs“ 1980 für dieses Ensemble anlässlich der 350-Jahr-Feier der Stadt Boston. Als Material für seine Komposition verwendete er bekannte Matrosenlieder, wie die bekannte Melodie What shall we do with the drunken sailor, die er auf ebenso geniale wie originelle Weise zu kleinen Charakterstudien ausbaute, die ihre eigenen Geschichten erzählen.

Wir wünschen Ihnen, geschätztes Publikum, eine gute Reise und eine glückliche Fahrt auf hoher See mit dem Akademischen Blasorchester München!

Michael Kummer, im Dez. 08


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