Akademisches Blasorchester München - Foto
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Programm 2008:

"Jubilee!" - 30 Jahre
Akademisches Blasorchester
München
Highlights und unentdeckte
Kostbarkeiten
Ltg. Michael Kummer

Konzerte:

Freitag, 7.3.2008, 20 Uhr
Gilching, Gymnasium

Samstag, 8.3.2008,
19 Uhr
Bad Wiessee, Hotel zur Post

Sonntag, 9.3.2008, 19 Uhr
München, Gasteig,
Carl-Orff-Saal

Mit folgenden Werken:

Richard Wagner
(1813–1883):
Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“
Bearbeitung: Frank Winterbottom
Hans Mielenz
(1909–1996):
Hörnerkonzert, op. 98
Konzert für 3 Waldhörner mit Blasorchester
1. Allegro moderato
2. Lento
3. Allegro alla caccia
Solisten: Sepp Bichler, Michael Gartner, Christian Weimer
Alfred Reed
(1921–2005):
Armenian Dances – Teil I (1972)
Philip Sparke (*1951): Jubilee Overture (1983)
Percy Aldridge Grainger
(1882–1961):
Lincolnshire Posy (1937)
1. Lisbon
2. Harkstow Grange
3. Rufford Park Poachers
4. The Brisk Young Sailor
5. Lord Melbourne
6. The Lost Lady Found
John Barnes Chance (1932–1972): Incantation and Dance
Zg.1:
C.J. Ibanez/H.Männecke:

Der Student geht vorbei
Zg.2:
P. A. Grainger:

Irish Tune from County Derry

Mitwirkende Musiker/innen:
(in alphabetischer Reihenfolge)

Piccolo/Flöte:
Regina Dinkel (Rosenheim)

Flöte:
Andreas Litzlbeck (Isen)
Monika Machl (Penzing/Wasserburg)
Ines Haimmerer (Rohrdorf)
Iris Eiglsperger (Sulzbach-Rosenberg)

Oboe/Englischhorn:
Horst Däullary (Wasserburg/Inn)
Sabine Hickmann (Nürnberg)

Es-/B-Klarinette:
Petra Jercic (Türkenfeld)

B-Klarinette:
Marion Agatha (München)
Pia Budian (München)
Berthold Büdel (Ingolstadt)
Helge Dyk (Weßling)
Hans Edelmann (Wolfsburg)
Claudia Keegan (Aiglsbach)
Peter Keegan (Aiglsbach)
Margit Kuczera (Forstern)
Steffi Reichhart (München)
Brigitte Rupp (München)
Georg Schied (Halfing)
Susi Strasser (Viechtach)
Alt-Klarinette:
Erwin Köppendörfer (Schwabach)

Bass-Klarinette:
Roland Porsch (Fürstenfeldbruck)

Alt-Saxophon:
Udo Appel (Holzhausen/Buchloe)
Mathias Stößlein (Mering)

Tenor-Saxophon:
Hanna Huber (Eiselfing)

Bariton-Saxophon:
Hubert Wallner (Günzenhausen/Eching)

Fagott:
Wolfgang Greiter (Pliening)
Susanne Perret (Landshut)

Waldhorn:
Sepp Bichler (Kiefersfelden)
Michael Gartner (Rohrdorf)
Nikolaus Maier (Garching)
Christian Weimer (München)

Trompete:
Stefan Häusler (Schwindegg)
Felix Hofmeir (München)
Markus Mailänder (Schwindegg)
Matthias Schelle (Deisenhofen)
Andreas Stich (Ruhmannsfelden)
Franz Windshuber (Isen)
Posaune:
Jürgen Hindel (München)
Anja Reßle (Geisenfeld)
Christian Sonner (München)

Bassposaune:
Andreas Brenner (München)

Euphonium:
Rudolf Froschmayer (Soyen)
Christoph Metten (Sonnen)

Tuba:
Magda Grill (Soyen)
Monika Kreuzpaintner (Grünwald)
Georg Vögele (Hurlach)

Kontrabass:
Richard Schürger (Waakirchen)
Arnim Wittich (Bad Tölz)

Schlagwerk:
Sonja Bauer (Eching)
Ursula Haydl (Germering)
Andreas Köder (München)
Oliver Kessler (München)
Markus Wolf (Rosenheim)
Gerrit Wüsthoff (Eching)
Programmhinweis:
Sondersendung in Bayern 4 Klassik
Ostermontag, 24.03.08
15.05 Uhr bis 16.00 Uhr

Jubilee! - 30 Jahre Akademisches Blasorchester München – eine Standortbestimmung mit Ausschnitten aus dem Jubiläumskonzert vom 09. März aus dem Carl-Orff-Saal im Münchner Gasteig und Hintergrundinformationen aus 30 Jahren ABO München

Eine Sendung von und mit Stephan Ametsbichler

Programm-Notizen zum diesjährigen Konzertprogramm des Akademischen Blasorchesters München von Michael Kummer

Das Akademische Blasorchester München feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Anlass genug, um Feierlaune aufkommen zu lassen und auf Highlights vergangener Konzertprogramme zurückzublicken. So hat das diesjährige Motto „Jubilee“, benannt nach der Ouvertüre von Philip Sparke, eigentlich noch ein zweites, untergeordnetes Motto: „Milestones“.

Am Beginn meiner musikalischen Orchesterarbeit standen Anfang der 80er Jahre mehrheitlich Bearbeitungen der sogenannten leichten bis mittelschweren Klassik. Diese Bearbeitungen selbst waren oft schon älteren Datums und für mich deswegen auch von musikwissenschaftlichem Interesse. Ich spürte dabei z.B. Fragen nach, ob es dem Bearbeiter gelungen war, eine Nähe zum Original zu schaffen und seinerseits eine neue gültige musikalische Aussage zu treffen. Ob dieses Ziel stets erreicht wurde, kann nicht eindeutig bewertet werden, da dies stark von den stilistischen und geschmacklichen Vorlieben des Hörers abhängt. Einen besonderen Reiz für mich hatten damals Werke in diesem Grenzbereich. Dies führte in einem der ersten Konzerte zur Auswahl des Meistersinger-Vorspiels von Richard Wagner. In gewissem Sinne also typisch für die Programmgestaltung der Anfangszeit, stelle ich damit dieses Werk ganz bewusst an den Anfang unseres Jubiläumskonzerts.

Nach einigen Jahren kam ich immer mehr mit Originalwerken Sinfonischer Blasmusik deutscher Komponisten in Berührung, die vielleicht ein wenig im Schatten des blasmusikalischen Mainstreams (so es einen solchen überhaupt gab) standen, aber durchaus Genuines und Wertvolles für dieses Medium zu bieten hatten. Einer dieser wenig beachteten Komponisten ist Hans Mielenz, der im Jahre 2009 hundert Jahre alt geworden wäre. Von ihm brachte das A.B.O. bereits vor 4 Jahren seine symphonische Dichtung Cabo da Roca zu Gehör. Im Festprogramm steht heuer sein Hörner-Konzert für drei Waldhörner und Blasorchester in kleiner Besetzung. Das dreisätzige Werk – in für den Komponisten typischer Klangsprache – bietet den drei Solisten attraktive Möglichkeiten, sich virtuos und klangschön zu entfalten.

Das nächste Werk ist vielleicht das Werk eines der Väter der Sinfonischen Blasmusik: Alfred Reed. Der vor wenigen Jahren verstorbene, in Österreich geborene Amerikaner hinterließ ein äußerst vielschichtiges und umfangreiches Œuvre. jedes Orchester, das etwas auf sich hält, wird schon mehrfach Werke von ihm aufgeführt haben. Seine Armenian Dances sind eine Art „Opus maximum“ – ein Kulminationspunkt in seinem Schaffen. In fünf farbenfrohen Abschnitten bringt Reed originale armenische Melodien in der für ihn typischen mitreißenden Klangsprache, so dass Spieler und Hörer von der ersten bis zur letzten Minute unmittelbar und unausweichlich in ihren Bann gezogen werden.

Am Beginn des zweiten Teils steht der schon angesprochene „Titelgeber“ unseres Jubiläumskonzertes, die Jubilee Overture des Engländers Philip Sparke. Ebenso wie Reed wurde auch Sparke schnell zu einem Doyen der internationalen sinfonischen Blasmusikszene und seine Werke aufgrund ihrer Beliebtheit bei Musikern und Publikum fester Bestandteil auch und besonders des Konzertrepertoires in Deutschland. Die Jubilee-Ouvertüre, eines seiner ersten Werke, ist stets eines meiner Lieblingsstücke geblieben, obwohl seither viele weitere Stücke von ihm in meinen Programmen aufgeführt wurden. Alle der zahlreichen Qualitäten dieses einfallsreichen Komponisten kommen hier zum Tragen – zu Beginn eine herrliche Fanfare, die am Schluss wieder aufgenommen wird, ein furios spektakulärer Hauptteil und ein lyrisch geschmeidiger Mittelteil. Alle Melodien gehen sofort ins Ohr und setzen sich dort hartnäckig fest.

Percy Aldridge Grainger: Wenn ich den Tondichter nennen müsste, der mir am meisten am Herzen liegt, wäre das sicher dieser australische Komponist. Zum ersten Mal in Berührung mit seiner Musik kam ich bei den Sommerkursen im südenglischen Canford bei Bournemouth, die ich ab Mitte der 80er Jahre regelmäßig besuchte (und die mir auch Vorbild für die nun schon seit fast 20 Jahren alljährlich in Marktoberdorf stattfindende Internationale Sommerakademie für Sinfonische Blasmusik waren). Mein lieber Dirigenten-Kollege David Kendall hatte dort immer wieder herrliche Werke des Ausnahme-Komponisten Grainger im Programm, die mich sofort begeisterten. Auch bei Grainger kann man mit „Lincolnshire Posy“ ein „Opus maximum“ ausmachen, in dem all seine Qualitäten und Lebensart eingefangen ist. In sechs Sätzen zeichnet er hier liebevolle Portraits von sogenannten „Volkssängern“ – Personen, von denen er sich um 1900 herum in Feldstudien beinahe verlorene Lieder auf einen Phonographen hatte singen lassen. Da er den Feinheiten in Rhythmus und Ausdruck genau nachspüren wollte, arbeitete er in diesem Werk mit zahlreichen Taktwechseln und agogischen Elementen. Er schuf teilweise kadenzartige Abschnitte ohne Taktvorzeichnung mit der Anweisung an den Dirigenten, die mit Pfeilen notierten Noten in unregelmässigen Abständen zu dirigieren und dabei den (gesungenen) Text im Fokus zu behalten. Entstanden ist aber trotz dieser Mittel keineswegs ein konstruiertes Avantgardewerk – im Gegenteil, das ganze Stück wirkt natürlich und zwingend – ein Meisterwerk.

Den Abschluss bildet ein Werk des Amerikaners John Barnes Chance, welcher leider 1972 durch einen Unfall bei Gartenarbeiten viel zu früh ums Leben gekommen ist. Incantation and Dance (Beschwörung und Tanz) entstand 1964 und hat eine kompositorische Qualität und musikalische Klangsprache, die sich nicht vor anderen zeitgenössischen Werken des 20. Jahrhunderts verstecken braucht. Die langen Melodiebögen und herrlichen Klangblöcke der Incantation und vor allem der Schlagzeugeinsatz und der rhythmische Impetus des Dance stehen in der Faszination meiner Meinung nach den besten Werken eines Strawinski nicht nach. Ich kenne kein anderes originales Werk für Blasorchester, über das sich dies so uneingeschränkt sagen ließe.

So präsentieren wir Ihnen an diesem Abend Ein- und Rückblicke in die musikalische Schatztruhe des Akademischen Blasorchesters München der vergangenen 30 Jahre und ich bin mir sicher, diese schöne Auswahl an Kostbarkeiten freut Sie ebenso wie uns!

mk (11/2007)


JUBILEE !

Das Akademische Blasorchester München wird 30 Jahre jung – 30 Jahre Sinfonische Blasmusik unter der Leitung von Michael Kummer


Die eigentlichen Wurzeln reichen bis Anfang der 70er-Jahre zurück – wenn man einen Musikerstammtisch im Weißen Bräuhaus in München, zu dem sich einige Studenten nach ihrer Dienstzeit beim Musikkorps wöchentlich trafen, hinzurechnen mag. In den jungen Männern reifte bald der Gedanke, nach dem Vorbild der Militärorchester ein „ziviles“ Ensemble zu gründen, um weiter miteinander musizieren zu können. Die anfängliche Minimalbesetzung – Piccoloflöte, Oboe, Euphonium und Tuba (Michael Kummer) – vergrößerte sich nach und nach, man traf sich fortan zu regelmäßigen Proben und bewältigte bald kleinere Auftritte. Zu Beginn des Sommersemesters 1978 kam es nach unterschiedlichen Aktivitäten mit Höhen und Tiefen zu ersten Konzerten unter der Leitung von Michael Kummer, der fortan mit entsprechenden klaren Zielvorgaben das musikalische Geschehen zunächst in den großen Saal der Münchner Musikhochschule und später in die Große Aula der LMU verlegte. Seine Literaturauswahl, die sich stets abseits der gängigen Blasmusik-Klischees bewegte, bestand anfangs aus Bearbeitungen von Werken der sinfonischen Literatur, später aus Originalwerken für Sinfonische Blasmusik mit Einflüssen aus dem anglo-amerikanischen Bereich. Sie war Richtungsweiser und bald Markenzeichen des nun auch mit Namen und Vereinseintrag versehenen Akademischen Blasorchesters München.

Bis 1990 wurden die Programme in wöchentlichen Proben erarbeitet und in meist gut besuchten Abschlusskonzerten in der Uni-Aula präsentiert. Doch mit zunehmenden Qualitätsansprüchen des Dirigenten an sich und an das Orchester stellte es sich als Erschwernis für eine produktive Probenarbeit heraus, dass selten die vollständige Anwesenheit aller Mitwirkenden in allen Proben gewährleistet war.

Im Jahr 1992 wurde schließlich nach einem Jahr Vorbereitungs- und Bedenkzeit mit neuer engagierter Vorstandschaft ein anderes Konzept entwickelt und umgesetzt: Nur ausgesuchte Musiker, die zudem die Verpflichtung eingingen, ihre 100-prozentige Anwesenheit zu garantieren, wurden von nun an in diesem Projektorchester aufgenommen. Ferner wurde auf effektive und konzentrierte Probenarbeit mit 1 Einspielprobe und 3 Ganztags-Wochenend-Probenphasen (2 davon in den Bayerischen Musikakademien) und abschließend 3 Konzerte in akustisch optimalen Sälen umgestellt. Diese Idee sollte in den letzten 15 Jahren zum Garanten des Erfolgs werden. Die Konzerte im Carl-Orff-Saal waren schon ab dem zweiten Jahr stets ausverkauft. Professionelle Studio-CD-Aufnahmen in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk/Redaktion Laienmusik waren die Belohnung für das ideelle Engagement aller Beteiligten. Ab 1995 wurden 3 CD-Projekte mit Sinfonischer Blasmusik der Höchststufe im Studio 1 des BR verwirklicht : Die CDs The Music Makers, Verdi und Gershwin. Erreicht werden konnten diese musikalischen Erfolge und ausverkauften Säle jedoch nur durch kontinuierlichen ideellen Einsatz von ca. 60 „Blasmusikverrückten“ inklusive Dirigent; und einer Vorstandschaft, die sich von Anfang an über das Normale hinaus ehrenamtlich engagiert und Orchesterorganisation, -disposition, Finanzen, Werbung und Kontakte zuverlässig managt – gänzlich ohne öffentliche/kommunale Zuschüsse. Das Orchester wird bereits seit langen Jahren von einer stabilen Besetzung aus engagierten Musikern aller Berufsschichten aus allen Teilen Bayerns getragen, was zeigt, dass die vor nunmehr fast 16 Jahren gefundene Konzeption richtig ist und weiter Bestand haben wird.


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