Akademisches Blasorchester München - Foto
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Programm 2003:

Akademisches Blasorchester München
Leitung: Michael Kummer
Jubiläumskonzerte 7.-9. März 2003
Gilching - Bad Wiessee -
München: Carl-Orff-Saal im Gasteig

Konzertmotto:
25 Jahre Akademisches Blasorchester München

Programm 2003:
Philip Sparke:
Invictus
Martin Ellerby:
Klarinetten-Konzert
1.Carousel - 2. Cameo - 3. Charabanc
Solist: Mario Düpre
P. Grainger
Orchestration: Carl Simpson:
Mock Morris
Leonard Bernstein / arr. Clare Grundman:
Ouvertüre zu Candide
Robert Russell Bennett:
Suite of Old American Dances
1. Cake Walk - 2. Schottische - 3. Western One-Step - 4. Wallflower Waltz - 5. Rag
Alfred Reed (*1921): The Hounds of Spring
Mitwirkende Musiker 2003:
Piccolo:
Regina Dinkel (Grafrath)

Flöte:
Christoph Danner (Kiefersfelden)
Andreas Litzlbeck (Isen)
Christina Rosenberger (Hauzenberg)
Ines Thalmeier (Bad Aibling)

Oboe/Englischhorn:
Horst Däullary (Wasserburg a. Inn)
Oboe:
Alexandra Bermel (Zolling)
Steve Waldbillig (München)

Es-Klarinette:
Petra Jercic (Türkenfeld)

B-Klarinette:
Berthold Büdel (Ingolstadt)
Helge Dyk (Weßling)
Hans Edelmann (Wolfsburg)
Claudia Keegan (Aiglsbach)
Peter Keegan (Aiglsbach)
Margit Kuczera (Erding)
Brigitte Rupp (München)
Joseph Scharf (München)
Tanja Schelle (Deisenhofen)
Marion Schneider (Neubiberg)
Sonja Schweiger (Unterbiberg)
Andreas Straßer (Nürnberg)

Alt-Klarinette:
Erwin Köppendörfer (Schwabach)

Bass-Klarinette:
Joelle Muller (München)
Roland Porsch (Fürstenfeldbruck)
Alt-Saxofon:
Udo Appel (München)
Andreas Gürtler (Mering)

Tenor-Saxofon:
Tobias Bachmaier (Eiselfing)

Bariton-Saxofon:
Hubert Wallner (Günzenhausen)

Fagott:
Wolfgang Greiter (Pliening)
Susanne Perret (Landshut)

Waldhorn:
Josef Baumgartner (Wasserburg/Inn) Joseph Bichler (Kiefersfelden)
Michael Gartner (Rohrdorf)
Susanne Österreicher (München)
Thilo Grust (Dietramszell)

Trompete:
Christian Bachmaier (Burgkirchen)
Doris Deutinger (Ottenhofen)
Felix Hofmeir (München)
Markus Mailänder (Schwindegg)
Michael Morgott (Rohrdorf)
Matthias Schelle (Deisenhofen)
Franz Windshuber (Isen)

Posaune:
Tammo Wüsthoff (Eching b. Mchn.)
Alexander Wormer (München)
Margarita Zeman (Edelstetten)

Bassposaune:
Christoph Zörner (Gaimersheim)
Euphonium:
Thomas Eldracher (Immenstadt)
Christoph Metten (Sonnen)

Tuba:
Monika Kreuzpaintner (Grünwald)
Jürgen Merz (Dietmannsried)

Kontrabass:
Hans Danninger (Hausham)
Willi Schmotz (Valley)

Schlagzeug:
Ursula Haydl (Germering)
Andreas Köder (München)
Robert Wachinger (München)
Helmut Wagner (München)
Gerrit Wüsthoff (Taufkirchen)

Harfe:
Katharina Hintereder (Waldkraiburg)

Klavier:
Arnim Wittich (Bad Tölz)
25 Jahre Akademisches Blasorchester München

Im Jubiläumsjahr haben wir für Sie ein gutgelauntes und glanzvolles Konzertprogramm mit bekannten "Klassikern" und interessanten neueren Werken für Sinfonisches Blasorchester zusammengestellt. Der erste Teil bringt Werke englischer (und australischer) Komponisten, der zweite Teil Autoren aus den Vereinigten Staaten, die unserem Dirigenten Michael Kummer allesamt sehr am Herzen liegen.

Philip Sparke (*1951): Invictus
der Engländer Philip Sparke wurde in London geboren, wo er Komposition, Trompete und Klavier studierte. Aus dieser Zeit stammt auch sein Interesse an Musik für Bläser-Formationen. Er selbst wirkte in diversen Blasorchestern und Brass Bands mit. Seinen weltweiten künstlerischen Durchbruch erlangte er unter anderem, neben zahlreichen Auftragskompositionen, durch enge Zusammenarbeit mit japanischen Blasorchestern, wie z.B. mit dem berühmten Tokio Kosai Wind Orchestra, das seine Werke einspielte.
Invictus (Die Unbesiegten) beginnt mit einem markigen Thema in den Blechbläsern, welches sich von einer intensiven Akkordbegleitung absetzt. Das Werk wird langsamer und bringt ein sanftes Flötensolo, welches in den Hauptteil, einen heroischen Marsch im Modalstil übergeht. Eine Überleitung in sprudelnden Sechzehnteln in den tieferen Klarinetten geht in das zweite leidenschaftliche und turbulente Hauptthema über. Ein Versuch der Wiederaufnahme des Marschthemas wird heftig unterbrochen und ein langsamer zentraler Teil folgt. Ein Klarinettensolo beginnt das nachdenkliche Thema und führt es zu einem emotionalen Höhepunkt des gesamten Orchesters. Danach behauptet sich das ursprüngliche Tempo mit dem erneut gebrachten Marschthema, dieses Mal jedoch erklingt das zweite Thema triumphierend in Dur und leitet zu einem emphatischen und siegesbewussten Schluss über.

Martin Ellerby (*1957): Klarinettenkonzert
Der Brite Martin Ellerby ist zweifellos einer der ideenreichsten Komponisten unserer Zeit. Sein Oevre umfasst Werke für Chor, Orchester, Ensembles und Brassband. Ellerby studierte unter anderem bei Joseph Horowitz und war am London College of Music als Dozent tätig. Seit 2000 ist er nun Künstlerischer Direktor der Studio Music Company und Produzent bei Polyphonic Recordings. Zahlreiche seiner Werke sind auf Tonträgern veröffentlicht.
Dieses noch relativ junge Klarinettenkonzert (uraufgeführt im Jahr 2000) wurde von Ellerby für Linda Merrick geschrieben, ihr gewidmet und ebenfalls mit ihr und dem Royal Northern College of Music Wind Orchestra zusammen aufgenommen. Der Komponist erläutert, er habe versucht ein Werk zu schreiben, das attraktiv für Solist, Band und Publikum ist, ohne dabei die besondere Dramatik und die Ruhe eines klassischen Concertos aufzugeben:

1. Der eröffnende Satz Carousel ist sehr energetisch und überaus einfallsreich. Er soll den Zuhörer an das kleine Abenteuer einer Karussellfahrt auf dem Jahrmarkt erinnern.
2. In Cameo erscheint ein sehr einfühlsames, gebundenes Thema wieder und wieder. Der Mittelteil gibt dem Solisten Freiraum für eine Kadenz, bevor das ruhige Thema vom Beginn des Satzes wiederkehrt.
3. Im letzten Rondo-artigen Satz Charabanc hat Ellerby etwas Jazz und andere leichte Musikcharakteristika einfließen lassen – möge der Zuhörer seine Fantasie treiben lassen!

Percy A. Grainger (1882–1961): Mock Morris
Der in Australien geborene Komponist und Pianist Percy A. Grainger studierte erst in Frankfurt Klavier und begann dann in England eine erfolgreiche Karriere als Konzertpianist. Er wurde auch relativ früh als Sammler englischer Volksmusik bekannt. So zog er in England mit einem Aufnahmegerät übers Land und nahm die Lieder der damals noch verfüglichen Volkssänger (von denen zu befürchten war, dass sie mit deren Tod in Vergessenheit geraten würden) auf Tonband auf. Dieser große Schatz authentischer Volksmelodien sollte für Grainger Zeit seines Lebens stets der Quell seiner Inspiration und seines Schaffens bleiben. Insofern ist Mock Morris – komponiert 1910 als Geburtstagsgabe für seine Mutter Rose – kein für ihn typisches Stück, denn Volksmusik-Melodien wurden hier nicht verarbeitet. Die rhythmische Anlage des Stückes ist moriskentanzartig, aber weder der Aufbau der Melodien noch das generelle formale Layout hält sich an die Form der Tanzfiguren.
Grainger hielt offenbar selbst viel von dem Stück, denn im Laufe der Zeit fertigte er viele Fassungen für unterschiedliche Instrumentationen des ursprünglich für Streichsextett angelegten Werkes an. Seltsamerweise entstand keine Version für die von ihm so geschätzte Wind Band – der Amerikaner Carl Simpson besorgte dies im Jahre 1993 streng nach der originalen Streicher- und der Klavierfassung.

Leonard Bernstein (1918–1990):
Ouvertüre zu Candide
Der Komponist, Pianist und Dirigent Leonard Bernstein dürfte wohl einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts gewesen sein. Für ihn existierte die missliche Trennung zwischen ernster Musik und Unterhaltungsmusik nicht, sondern nur die Unterscheidung in gute und schlechte. So passt es auch zueinander, dass der renommierte Beethoven- und Mahlerdirigent sich unter vielem anderem auch als Musicalkomponist hervortat. Neben der unsterblichen West Side Story entstand 1956 als comic operetta basierend auf Voltaires gleichnamigen Werk Candide, welche leider nur ein sehr kurzes unglückliches musikalisches Leben am Broadway genoss. Dennoch hatte die sprühende Ouvertüre 1957 Premiere mit den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung des Komponisten und wurde schnell zu einem Favoriten in Konzerten von Sinfonie- und Blasorchestern. Das sehr rythmische und kraftvolle Werk kombiniert den klassischen und modernen Stil auf höchst intelligente und wirkungsvolle Weise.

Robert Russell Bennett (1894–1981):
Suite of Old American Dances (1949)
<Quelle: George Ferencz>
Robert Russell Bennett (1894–1981) war jahrzehntelang Amerikas führender Arrangeur für das Musical Theater und arbeitete, neben anderen, mit Komponisten wie Jerome Kern, Irving Berlin, George Gershwin, Richard Rodgers, Cole Porter und Frederick Loewe. Die Liste der von Bennett orchestrierten Shows liest sich beinahe wie ein Katalog des goldenen Zeitalters des Musicals überhaupt mit Titeln wie Show Boat, Girl Crazy, Oklahoma!, Annie Get Your Gun, Kiss Me, Kate, The King and I, My Fair Lady, Camelot, The Sound of Music und hunderten anderer Shows zwischen den Jahren 1920 und 1975. In den späten 30ern zog Bennett nach Hollywood und versorgte Dutzende von Filmen mit Originalpartituren oder Orchestrationen. Seine nahezu 200 eignen Werke beinhalten Stücke jeder Gattung inklusive Blas- und Sinfonieorchester, Oper, Kammer- und Vokalmusik. Gebürtig in Kansas City, Missouri, war Bennett Sohn musikalischer Eltern: seine Mutter eine vorzügliche Pianistin, sein Vater George begabter Geiger und 1. Trompeter am Grand Opera House der Stadt. Er leitete auch eine Band – also ein Blasorchester – in dem sein Sohn „Russell“ als äußerst nützliches Mitglied fungierte. Er konnte „jegliches Horn (d.h. ein beliebiges Blechblasinstrument) leihen und spielen, was immer bei Proben oder sogar bei Paraden, Festivitäten etc. fehlte“ und sammelte damit unschätzbare Erfahrungen aus erster Hand mit vielen Instrumenten, für die er sein Leben lang schreiben sollte. Die Suite of Old American Dances ist des Komponisten meist gespieltes Werk. Sie wurde bei einem der seltenen Auftritte der New Yorker Goldman Band 1948 in der Carnegy Hall uraufgeführt und damit ein großer Publikumserfolg. Mittlerweile war es längere Zeit her, dass Bennett in einem Band-Konzert gewesen war, aber erinnert sich: „Ich dachte an die wunderbaren Klänge, die ein Blasorchester erzeugen könne ... – mein Bleistift sprang mir praktisch aus der Tasche, um mich zu bitten, mehr für dieses großartige ,Instrument’ zu schreiben“.
Bennett arbeitete an der Suite, wenn er Zeit von anderen Aufträgen abzweigen konnte – etwa die Arrangements von Cole Porters Kiss Me, Kate und Richard Rodgers South Pacific. Großzügigerweise erlaubte Bennett seinem Verleger eines am Werk zu verändern: den Titel. Er erklärt das so: „Mein eigener Name für das Werk war Electric Park. Dieser Amüsierpark in Kansas City war für uns Kinder eine Welt voller Wunder: Tricks mit großen elektrischen Schildern, beleuchtete Fontänen, Bigband-Konzerte, die Aussichts-Eisenbahn auf dem Gelände und der große Tanzsaal – alles reine Zauberei! Im Tanzsaal konnte man den ganzen Nachmittag und Abend Stücke hören, zu denen die Menschen tanzten. Die fünf Sätze meines Stückes waren Beispiele dieser Tänze von damals ...“ Die Ursprünge waren natürlich sehr unterschiedlich: der Cakewalk kam von den Afro-Amerikanern der Vor-Bürgerkriegs-Zeit, der Schottische und der Walzer etwas früher aus Mitteleuropa. Bennett jedoch schrieb die Tanzrhythmen im Stil der Mitt-Zwanziger-Jahre im melodischen und harmonischen Stil dieser Popularmusik, die er selbst Anfang der 20er-Jahre zum Broadway brachte. Der Wallflower Waltz – tempo di „Missouri Waltz“ – hat eine ganz spezielle Verbindung zu Bennetts Heimatstadt. Dieser Missouri Waltz war ein Lieblingsstück des späteren amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman, einem fähigen Pianisten, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den selben Restaurants in Kansas City Klavier spielte wie Bennett. Er selbst mag vielleicht sogar das „Mauerblümchen“ gewesen sein – er bekannte in seinen Erinnerungen eine gewisse jugendliche Schüchternheit und merkte an, dass er auch im mittleren Lebensalter „niemals einen Schritt getanzt habe“. Einer von Bennetts Beiträgen zum Erfolg vieler Broadway Shows war das Ausarbeiten des Arrangements, sodass jede weitere Strophe eines Liedes einen neuen „Kick“ durch seine Begleitung bekam. Ein gutes Beispiel für Bennetts Fähigkeit diesen Effekt umzusetzen, mag das aufeinander folgende Erscheinen des Hauptthemas aus dem Cakewalk sein. Der aufmerksame Zuhörer bemerkt auch sicher, dass im beschliessenden Rag am Schluss alle drei vorher getrennt gehörten Themen – in hohen, mittleren und tiefen Instrumentallagen – gleichzeitig ertönen. Die Suite of Old American Dances wird immer wieder von Blasorchestern weltweit gespielt. Sie mag nicht Bennetts tiefstes oder kompliziertestes Werk sein, jedoch Charme, Unverwechselbarkeit und sein handwerkliches Können rechtfertigen die beständige Popularität.

Alfred Reed (*1921):
The Hounds of Spring
Einer der renommiertesten Komponisten für sinfonisches Blasorchester ist Verfasser der Konzertouvertüre The Hounds of Spring (deutsch in etwa: Hunde des Frühlings). Benannt nach einem gleichnamigen Naturgedicht des englischen Dichters Charles Swinburne entstand das effektvolle Werk 1980 als Auftragskomposition für ein amerikanisches Schulblasorchester. In sprudelndem 6/8-Takt ist dieses Stück mit seinem lyrischen Mittelteil ein höchst effektvoller Abschluss für das Jubiläumskonzert des Akademischen Blasorchesters München.
Michael Kummer


Interview mit dem musikalischen Leiter Michael Kummer
anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des „Akademischen Blasorchesters München“

Red.: Herr Kummer, das Akademische Blasorchester München wird heuer 25 Jahre alt. Wir würden von Ihnen gerne ein wenig zu seiner Entstehungsgeschichte hören.
MK: Nun ja, die Anfänge sind sogar noch ein wenig älter. Ausgangspunkt war eigentlich ein Musikerstammtisch im Weißen Bräuhaus in München, wo sich einige Studenten nach ihrer Dienstzeit beim Musikkorps allwöchentlich trafen. So um das Jahr 1974 rum wurde da der Gedanke entwickelt, nach dem Vorbild des Militärs ein „ziviles“ Ensemble zu etablieren, unter anderem auch aus der Überlegung heraus, dass die Ehemaligen ja vielleicht auch gerne weiter zusammen Musik machen wollten.

Red.: Wurde aus diesen Gedanken damals auch etwas Konkretes? Schließlich braucht man da ja dafür schon einige Voraussetzungen und muss ziemlich Energie einsetzen.
MK: Tatsächlich gelang es zumindest für kurze Zeit ein kleines Orchester zu etablieren. Ich erinnere mich noch gut an die erste Probe – vier wackere Mannen trafen sich in einer wahrhaft abenteuerlichen Besetzung – Piccoloflöte, Oboe, Euphonium und Tuba – und probten in einem Pfarrsaal der evangelischen Kirche an der Nymphenburger Straße zwei Stunden lang.

Red.: Sie waren damals schon dabei?
MK: Ich war der Tubist. Das Instrument war ich gerade dabei zu erlernen und aus gegebenen Anlass musste ich sogleich spielen, was übrigens einen erheblichen Übemotivationsschub ergab, vor allem, wenn man der Einzige war. Die Leitung hatte der Flötist (und gelernte Kapellmeister) Joseph Kanz, späterer Leiter des Hessischen Polizeimusikkorps in Wiesbaden, mit dem ich meine Studentenwohnung teilte. Die ursprüngliche Idee ist wohl auch hauptsächlich auf unserem „Mist“ gewachsen.

Red.: Und wie ging das dann weiter? Wurden neue Leute dazu gewonnen?
MK: Von Anfang an waren wohl so um die 15 Mitwirkende dabei, nur bei der ersten Probe, die sicher sehr kurzfristig angesetzt wurde, konnten halt nicht mehr teilnehmen. Im Laufe der Wochen und Monate wurden es dann so etwa 25. Wir probten regelmäßig im Probenraum des Motettenchores unter der Matthäuskirche und hatten auch ein paar kleinere Auftritte.

Red.: Wieso eigentlich „Akademisches“ Blasorchester? Oder kam der Name erst später?
MK: Nein, nein, das war gleich von Anfang an. Die Namensfindung für ein neues Ensemble scheint ja immer ein Problem zu sein. Wir haben damals auch ziemlich lange rumgesucht und sind schließlich beim Akademischen gelandet. Aufhänger war, dass ja fast alle Mitspieler studierten und außerdem bewirkte der Name, in alphabethischen Listen immer am Anfang zu stehen. Später sollte es sich noch als sehr passend herausstellen, da die Konzerte dann in der Großen Aula der Universität stattfanden.

Red.: Bis dahin war’s ja noch ein längerer Weg. Zunächst jedoch verschwand das erste Blasorchester doch wieder von der Bildfläche.
MK: So ist es. Nach einem guten Jahr mehr oder weniger regelmäßiger Probenarbeit und einigen kleinen Auftritten zeigte es sich, dass die gefundene Struktur nicht funktionstüchtig war.

Red.: Die üblichen Streitereien?
MK: Eigentlich weniger. Das Hauptproblem war, dass die meisten Spieler einfach zu viel zu tun hatten, als dass sie regelmäßig jede Woche einmal zusammentreffen konnten. Außerdem war eigentlich kein klares Ziel erkennbar, wo es denn hingehen sollte. So tröpfelte es dahin und letztendlich wollte dann keiner mehr so recht.

Red.: Zu Beginn des Sommersemesters 1978 kam es dann aber doch zu einem Neuanfang mit einem Konzert unter Ihrer Leitung.
MK: Ich hatte mich mit dem Scheitern nie so recht abgefunden und war der Meinung, dass wir es nur falsch gemacht hatten. Ich dachte, vor allem müsste man es genau anders herum aufziehen. Nicht mehr oder weniger planlos herumproben, sondern ein klares Ziel fixieren und dieses realisieren. Ich habe so auf eigene Rechnung den Konzertsaal der Musikhochschule gemietet und versucht, die benötigten Spieler für einen sehr kompakten Probenplan zu finden, was mir kraft vieler Kontakte beim eigenen Musizieren dann auch geglückt ist.

Red.: Das Konzert war dann ein voller Erfolg.
MK: Nun, das kann man nicht gerade sagen. Die Zeit für Werbung war sehr kurz und so hatten wir nur etwa 100 Besucher. Trotz guter Aufnahme beim Publikum war’s vom Finanziellen her natürlich ein Fiasko. Ich hatte am Ende DM 800,– Verbindlichkeiten, die ich privat zu bezahlen hatte – nicht wenig für einen Studenten. Schlimmer noch, ein zweiter Versuch nach einem halben Jahr – ermutigt durch die Begeisterung der Mitwirkenden – scheiterte völlig. Der gemietete Saal – diesmal die Große Aula der Universität – war trotz fester Zusage ganz kurzfristig nicht zugänglich und alle Verlegungsversuche scheiterten. So hatte ich am Ende nur die Möglichkeit die erschienenen Konzertbesucher unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu schicken.

Red.: Das hört sich ja an, als wäre die Sache damit an einem Ende angekommen. Sie ließen sich jedoch nicht entmutigen.
MK: In der Tat wartete ich zunächst einmal ab, dass ich mich finanziell erholen würde und dachte nach, was ich vom Prinzip her verkehrt gemacht hatte. Am Ende wurde mir klar, dass ich einfach zu kurzfristig gedacht und geplant hatte. Ein Jahr später – nunmehr mit einem halben Jahr Vorlaufzeit – startete ich den nächsten Versuch und jetzt klappte es. Die Konzerte wurden danach zu einer festen Einrichtung und wurden jeweils zu Beginn des Sommersemesters in der Aula abgehalten. Der Zuspruch wurde bald so groß, dass das Konzert an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gespielt werden musste, Spitzenbesucherzahlen kamen auf etwa 1300 Zuhörer an beiden Tagen zusammen.

Red.: Wie finanzierte sich denn nun das Ganze?
MK: Das Grundprinzip war – und ist – dass jeder der Beteiligten ohne Gage spielt, auch der Dirigent erhält kein Honorar. Anders lässt sich ein Apparat dieser Größe nicht auf nicht-professioneller Basis am Leben erhalten. Der Eintritt zu den Konzerten war damals kostenlos – eine Auflage der Universitätsverwaltung – und die durchgeführten Sammlungen von freiwilligen Spenden deckten in etwa die Kosten, die bei einer Konzertveranstaltung sonst noch anfallen, wie etwa Werbekosten oder Programme.

Red.: Ihre Programmgestaltung hat sich im Laufe der Jahre grundlegend geändert.
Was war damals so auf den Programmzetteln gestanden?
MK: In den ersten 10 Jahren haben wir fast ausschließlich Bearbeitungen von Werken der unterhaltenden symphonischen Literatur gespielt. Da gab es die Meistersinger-Ouvertüre, Griegs Peer Gynt, Bizets Arlésienne-Suiten oder Dukas’ Zauberlehrling, um mal einige zu nennen. Auch Solowerke standen immer wieder auf dem Programm. Interessanterweise können Liebhaber-Symphonieorchester solche Dinge ja nur spielen, wenn sie sehr gut sind. Und das war auch für mich immer sehr reizvoll, zu zeigen, was mit dem Blasinstrumentarium denn so alles möglich ist. Außerdem komme ich ja von der klassischen Musik her und so war meine Repertoirekenntnis der originalen Blasmusik eher begrenzt. Und
dem gängigen Klischee der Blaskapellen mit ihren Märschen und Polkas wollten wir nicht folgen. Das war eine ganz andere Schiene. Nein, das A.B.O. sollte eine Art besonderes Sinfonie-
orchester sein – nur eben mit einem anderen Instrumentarium.

Red.: Soviel einmal zur Geschichte. Wie sieht es denn heute aus? In der Großen Aula derUniversität spielen Sie ja heute nicht mehr.
MK: Im Laufe der Jahre hat sich eine ganze Menge geändert. Zum einen kam ich zu Beginn der 80er Jahre durch Studienaufenthalte in England mit Literatur in Berührung, die mich von Anfang an fasziniert hatte und die bei uns kaum gespielt wurde. Im anglo-amerikanischen Bereich bildete sich vornehmlich an den US-Universitäten eine Blasmusikkultur von sehr hohem Niveau. Ich lernte Werke von Komponisten wie Percy Grainger, Norman dello Joio, John Barnes Chance, Gustav Holst, Ralph Vaughan Williams, Edward Gregson oder Philip Sparke, um nur mal ein paar zu nennen, kennen und entdeckte für mich Musik mit einem sehr hohen künstlerischen Potenzial. Ich fand, das ist die Literatur, die es bei uns nicht gibt, ein Bindeglied zwischen sog. U- und E-Musik, also ernsthafte Musik mit einem sehr hohen Unterhaltungswert.

Red.: Und solche Werke brachten Sie nun in Ihre Konzertprogramme. Wie reagierte das Publikum, wie die Musiker?
MK: Bei den Musikern setzte sich das „Neue“ unmittelbar und ohne Reibungsverluste durch, einfach weil diese Musik wunderbar und mit hohem Wirkungsgrad zu musizieren ist. Niemand musste jetzt auf einer Klarinette eine Violine imitieren, alles war direkt in die Instrumente hineingeschrieben und es klang. Für das Publikum war’s – und ist es – sicher schwerer. Hier gibt es kaum bekannte Werke, also solche Selbstläufer wie sie in der symphonischen Musik sonst zu finden sind. Alles ist neu und daher erst einmal bekannt zu machen. Leider zeigt die gesamte Musikgeschichte, dass auch der kulturell Interessierte hier seine Schwierigkeiten hat und der Satz „Was der Bauer net kennt ...“ nur zu oft seine Berechtigung hat.

Red.: Wer ist denn heute Ihr Publikum?
MK: Mittlerweile gibt es einen bescheidenen Kreis der Anhänger, meist wohl aus dem Bekanntenkreis der Mitwirkenden rekrutiert. Zum Beispiel war der Carl-Orff-Saal im Gasteig in den letzten Jahren restlos ausverkauft – ein Ergebnis, das sicher zu Optimismus Anlass gibt. Der hier beschriebene Mechanismus ist ja nicht München-spezifisch. Auf der ganzen Welt besteht das Bläser-Publikum zum überwiegenden Teil aus Spezialisten, sehr oft aus Leuten, die selbst ein Blasinstrument spielen und aus dieser Szene kommen. Ich denke, die Aktiven von heute – das wird das Publikum der Zukunft, aber leider erst morgen. Die Entwicklung ist eine der kleinen Schritte. Eigentlich schade, denn im Gegensatz zu vielem Zeitgenössischen auf der E-Szene finden sich in dieser Gattung wirklich viele leicht konsumierbare Stücke, die einem aufgeschlossenen Hörer auch den Zugang zu noch ganz anderen Welten
öffnen könnten.

Red.: Sie spielen heute im Kulturzentrum Gasteig, zu früheren Zeiten ein ziemlicher Aufstieg. Haben Sie auch im organisatorischen Veränderungen vorgenommen, oder müssen Sie heute noch alles aus eigener Tasche finanzieren?
MK: (lacht) Nein, Gottseidank sind diese Zeiten vorbei. Wir haben seit vielen Jahren eine solide, wenn auch bescheidene Finanzierung. Ein schlagkräftiges Team arbeitet hier zusammen unter dem Dach eines Fördervereines namens Freundeskreis des Akademischen Blasorchesters München e.V. Durch gute Planungs- und Werbearbeit besteht heute ein Etat, mit dem sich die jeweilige Konzertphase sicher vorfinanzieren lässt. Wir machen jetzt schon über 10 Jahre lang das gleiche Planungsschema, welches sich wunderbar bewährt. Voraussetzung sind drei Wochenendarbeitsphasen (zwei davon in den Bayerischen Musikakademien), denn die Mitwirkenden kommen aus sehr verschiedenen Teilen von Bayern. Jeder der mitmachen will, muss zu 100% Zeit haben, sonst geht es nicht. Das Ergebnis dieser im Monatsabstand durchgeführten Arbeitsphasen wird dann in drei Konzerten präsentiert. Sie sehen, wir haben hier ein klares Konzept mit einer überschaubaren Belastung für jedermann. Und jeder – ich eingeschlossen – weiß von vorne herein, dass die eingebrachte Leistung von allen geteilt wird und damit ein effizientes Arbeiten ermöglicht wird.

Red.: Der erreichte Leistungsstandardwurde in den vergangenen Jahren auchvom Bayerischen Rundfunk anerkannt.
MK: Nachdem wir bereits in den Jahren 1997 und 2000 in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk/Redaktion Laienmusik 2 CDs herausgebracht haben –„The Musicmakers“ und „Verdi“– arbeiten wir nun schon seit letztem Jahr an unserem dritten Tonträgerprojekt („Gershwin“), geplanter Erscheinungstermin 2004.

Red.: Ich denke, wir können uns unter diesen Vorzeichen in die Reihe der Gratulanten einreihen und wünschen Ihnen und Ihrem Orchester auch für die nächsten 25 Jahre viel Glück. Wir danken Ihnen sehr herzlich für das Gespräch.


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