Akademisches Blasorchester München - Foto
Chronik 1978-1992 1993-1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Programm 2002:

Akademisches Blasorchester München
Leitung: Michael Kummer

Konzerte am 1.-3. März 2002
Gilching - Bad Wiessee -
München: Carl-Orff-Saal im Gasteig

Konzertmotto: Ein Abend mit George Gershwin

George Gershwin:
Cuban Overture
(arr. Martin Koekelkoren)
9:42
George Gershwin:
Prelude No. 2
(arr. Calvin Custer)
3.33
George Gershwin:
Rhapsody in Blue
(arr. Tohuru Takahashi)
Mari Holló, Klavier
18:02
George Gershwin:
An American in Paris
(arr. Mari van Gils)
17:47
George Gershwin:
Catfish Row
(arr.Donald Hunsberger)
Sinfonische Suite
aus "Porgy and Bess"
Katharina Otscheret, Sopran
Werner Perret, Bariton
Michael Niebauer, Klavier
27:08
Zugaben: C. Orff
Aus: "Der Mond": Tanz der Bauern in der Schenke 2:00
P. Grainger
Faroer Island 2:54
Mitwirkende Musiker/innen:
Piccolo:
Regina Dinkel (Grafrath)

Flöte:
Christoph Danner (Kiefersfelden)
Andreas Litzlbeck (Isen)
Ines Thalmeier (Bad Aibling)
Christina Rosenberger (Hauzenberg)

Oboe/Englischhorn:
Horst Däullary (Rechtmering)
Oboe:
Alexandra Bermel (Zolling)
Steve Waldbillig (München)

Es-Klarinette:
Petra Jercic (Türkenfeld)

B-Klarinette:

Georg Auer (Eiselfing)
Berthold Büdel (Ingolstadt)
Helge Dyk (Weßling)
Hans Edelmann (Wolfsburg)
Peter Keegan (Aiglsbach)
Margit Kuczera (Erding)
Brigitte Rupp (München)
Joseph Scharf (München)
Tanja Schelle (Deisenhofen)
Georg Schied (Halfing)
Sonja Schweiger (Unterbiberg)
Andreas Straßer (Nürnberg)

Alt-Klarinette:
Erwin Köppendörfer (Schwabach)

Bass-Klarinette:
Joelle Muller (München)
Roland Porsch (Fürstenfeldbruck)
Alt-Saxofon:
Udo Appel (München)
Andreas Gürtler (Mering)

Tenor-Saxofon:
Tobias Bachmaier (Eiselfing)

Bariton-Saxofon:
Hubert Wallner (Günzenhausen)

Fagott:
Wolfgang Greiter (Pliening)
Susanne Perret (Landshut)

Waldhorn:
Josef Baumgartner (Wasserburg/Inn)
Michael Gartner (Rohrdorf)
Susanne Garnreiter (München)
Thilo Grust (Dietramszell)
Nikolaus Maier (Garching)

Trompete:
Doris Deutinger (Ottenhofen)
Christian Bachmaier (Burgkirchen)
Markus Mailänder (Schwindegg)
Michael Morgott (Rohrdorf)
Matthias Schelle (Deisenhofen)
Franz Windshuber (Isen)

Posaune:
Tammo Wüsthoff (Eching b. Mchn.)
Margarita Zeman (Edelstetten)
Andreas Zehetbauer (Landshut)

Bassposaune:
Christoph Zörner (Gaimersheim)
Euphonium:
Christoph Metten (Sonnen)
Andreas Peyerl (Haag)

Tuba:
Magdalena Grill (Soyen)
Monika Kreuzpaintner (Grünwald)

Kontrabass:
Hans Danninger (Hausham)
Willi Schmotz (Valley)

Schlagzeug:
Ursula Haydl (Germering)
Andreas Köder (München)
Doris Spindler (München)
Robert Wachinger (München)
Helmut Wagner (München)
Gerrit Wüsthoff (Taufkirchen)

Harfe:
Katharina Hintereder
(Waldkraiburg)

Banjo:
Hans Ganghofer
(Hebertsfelden)

Klavier:
Michael Niebauer
(Mühldorf a .Inn)

Musikalische Leitung:
Michael Kummer
Ein Abend mit George Gershwin

Die Idee zu diesem Programm bekam ich, als ich vor einiger Zeit den Hollywood-Spielfilm "Mr. Holland’s Opus" sah, in dem Richard Dreyfuss einen Komponisten spielt, der, um leben zu können, an einer Schule als Lehrer zu arbeiten beginnt, um, wie er sagt, "mehr Zeit zum Komponieren zu finden". Dies stellt sich als grober Irrtum heraus, denn sein Job wird ein Beruf und dieser nimmt ihn so voll in Beschlag, dass seine Komposition American Symphony sein ganzes Leben in Anspruch nimmt und seine tatsächliche Komposition sein erfolgreiches Wirken als Lehrer ist. Im Verlauf seiner langen Unterrichtstätigkeit macht er immer wieder Schulaufführungen und eine seiner entscheidenden Produktionen ist eine Revue mit Melodien von George Gershwin, die er unter den Titel Ein Abend mit George Gershwin stellt. Und tatsächlich gibt kaum ein Komponist so viel Unterschiedliches und Begeisterndes her wie dieser amerikanische Tonsetzer, der im Jahre 1937, mit noch nicht einmal 40 Jahren, viel zu früh verstorben ist.

Den Beginn unseres Konzertabends macht eine Ouvertüre mit hinreißenden südamerikanischen Rhythmen und Melodien, die "Cuban Overture" aus dem Jahre 1932 als Resultat einer Reise zu dieser Karibikinsel. Fast ununterbrochen liegt unter dem ganzen Werk eine pochende Schlagzeug-Textur, die diesem ein starkes Lokalkolorit verleiht. Ein wunderschöner kantabler Mittelteil unterteilt das ansonsten furiose Werk in drei groß angelegte Abschnitte.
Als Ruhepol folgt nun eine Instrumentierung des wohl berühmtesten Prelude für Klavier, die Nummer II in original cis-Moll. Leonard Bernstein, nicht nur als Dirigent und Komponist bekannt, sondern auch begnadeter Pianist, hat dieses Stück immer wieder in beeindruckenden Interpretationen als Zugabe bei Konzerten gespielt. So einfach die Struktur auch ist, so tief ist die musikalische Aussage, ein Umstand, der Gershwin beinahe in die Nähe von Wolfgang Amadeus Mozart rückt.

Den Abschluss des ersten Teiles bildet eines der bekanntesten Werke Gershwins überhaupt, die Rhapsody in Blue, bei der die in München wohnende und lehrende Pianistin Mari Holló den Solopart hat. Gershwin schaffte mit diesem Werk im Jahre 1924 den ganz großen Durchbruch, als der bekannte Bandleader Paul Whiteman ihn bat, ein groß angelegtes Werk für Klavier und Jazzorchester zu schreiben. Das Werk entstand in einer Klavierversion in nur drei Wochen. Whitemans Haus-Arrangeur, der Komponist Ferde Grofé schrieb daraufhin die verschiedenen Versionen, von denen die für Klavier und Symphonieorchester zu den am meist gespielten zählt. Seine Version für Blasorchester spart das Soloklavier aus, lässt aber die Möglichkeit der Verwendung des Solopartes zu, wenn man einen Katalog von über 100 Änderungen in die Partitur einarbeitet. Dies wurde in der vorliegenden Fassung von dem Japaner Toru Takahashi vorgenommen. Das Erkennungszeichen des Werkes ist das Klarinettenglissando zu Beginn des Stückes, obwohl Gershwin dies ursprünglich gar nicht beabsichtigte. Während der Proben zur Uraufführung machte sich der Soloklarinettist Ross Gorman einen Spaß daraus, die komponierten 17 Noten des Laufes in ein Glissando übergehen zu lassen. Der Komponist fand dieses so beeindruckend, dass er diesen Effekt in die Partitur übernahm.

Der zweite Teil beginnt wieder mit einem der Hauptwerke Gershwins, dem 1928 auf einer Europareise entstandenen rhapsodischen Ballett "Ein Amerikaner in Paris". Obwohl schon weltberühmt, unternahm Gershwin diese Reise hauptsächlich zu Studienzwecken – er wollte in der alten Welt bei den bekanntesten seiner Zunft wie Nadja Boulanger, Igor Strawinksy und Maurice Ravel Unterricht zur Vervollkommnung seiner satztechnischen Fähigkeiten nehmen. Letzterer allerdings fragte Gershwin bei dieser Gelegenheit, ob nicht er, Ravel, bei ihm Stunden nehmen könne.

Der Komponist hatte nicht die Absicht, mit seinem Amerikaner etwas Bestimmtes im Sinne von Programmmusik zu beschreiben, vielmehr wollte er Suggestives formulieren und der Fantasie des Hörers freien Lauf lassen. So drückt der Blues das Heimweh des manchmal einsamen Amerikaners im fernen Paris aus, das hektische Treiben der Großstadt wird durch Taxihupen verschiedener Tonhöhen dargestellt. Komponiert wurde das Werk in diversen Hotelzimmern in Paris, London und Wien, uraufgeführt wurde es am 13. Dezember 1928 in New York.

1935, kurz bevor Gershwin am Gehirntumor erkrankte, entstand sein Hauptwerk, die sogenannte "Negeroper" "Porgy and Bess". Der Autor selbst teilte während des Komponierens in einer Pressenotiz mit, "dass das Werk, wenn ich erfolgreich bin, einer Kombination aus dem Drama und der Romanze von Bizets "Carmen" und der Schönheit der Meistersinger ähneln wird, wenn Sie sich das vorstellen können".
Die Oper in 3 Akten und 9 Szenen spielt zum guten Teil in der "Catfish Row", einer Örtlichkeit, die in der ursprünglichen Publikation so beschrieben wird: "ein ehemals hochherrschaftliches Haus der Aristokratie, nun eine Neger-Behausung an der Küste von Charleston, South Carolina. Zeit ist die jüngste Vergangenheit." 1936 entstand für eine Tournée – nun unter dem Titel "Catfish Row" - eine instrumentale Suite mit den wichtigsten Abschnitten aus der Oper, auch mit dem Hintergedanken, die Melodien noch populärer zu machen. Don Hunsberger, Nachfolger des legendären Frederik Fenell an der Eastman School of Music, hat in seiner Version Gershwins Orchesterpartitur um einige Optionen erweitert. So sind hier die ursprünglichen Vokalpartien vorgesehen, die in unserer Aufführung von der Sopranistin Katharina Otscheret und dem Bariton Werner Perret übernommen werden.
Michael Kummer


Impressum |Kulturbotschafter der Blasmusik| Bilder zur Musik | Sie sind Besucher Nr.:Counter