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| Akademisches Blasorchester München - Das Programm 1997: |
Dimitri Kabalevsky
arr. Donald Hunsberger |
Ouverture zu »Colas Breugnon«
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Alexander Arutiunian
arr. Guy M. Duker |
Trompetenkonzert
Solist: Rainer Hauf
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Sergej Prokowjew
arr. Joseph Kanz |
Lieutenant Kijé Suite, op. 60
1. Kijé’s Geburt
2. Song
3. Kijé’s Hochzeit
4. Troika
5. Kijé’s Beerdigung
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| Alfred Reed |
Fifth Suite for Band
1. Hoe Down (American)
2. Sarabande (French)
3. Yamabushi Kagura (Japanese)
4. Hora (Romain/Israeli)
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| Martin Ellerby |
Paris Sketches
1. Saint-Germain-des-Prés
2. Pigalle
3. Père Lachaise
4. Les Halles
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| Die Mitwirkenden 1997: |
Piccolo:
Jochen Hirsch (Heidelberg)
Flöte:
Regina Dinkel (Grafrath)
Gertrud Frey (Rohrdorf)
Ulrike Gesierich (Reischach)
Monika Machl (Wasserburg/Inn)
Oboe:
Horst Däullary (Wasserburg/Inn)
Bernhard Bleibinger (Laufen)
Es-Klarinette:
Petra Jercic (Türkenfeld)
B-Klarinette:
Berthold Büdel (Gaimersheim)
Birgit Dirrigl (Rosenheim)
Helge Dyk (Weßling)
Hans Edelmann (Kassel)
Judith Gesierich (Reischach)
Peter Keegan (Höhenkirchen)
Oliver Klenk (Oberpframmern)
Margit Kuczera (Erding)
Andrea Schockel (Röttenbach)
Tanja Simchen (Unterhaching)
Andreas Straßer (Nürnberg)
Martina Taubenberger (Schongau)
Alt-Klarinette:
Andreas Porsch (München)
Baß-Klarinette:
Roland Porsch (Fürstenfeldbruck)
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Alt-Saxophon:
Alexander Quelle (Straßlach)
Tobias Bachmaier (Eiselfing)
Tenor-Saxophon:
Hans Hell (Rosenheim)
Bariton-Saxophon:
Hubert Wallner (Eching b. München)
Fagott:
Susanne Perret (Thalheim/Erding)
Rainer Sellmaier (Erding)
Waldhorn:
Josef Baumgartner (Wasserburg/Inn)
Thilo Grust (Dietramszell)
Heidi Meier (Eiselfing)
Albert Schußmüller (Reichertsheim)
Julia Wendl (Dachau)
Trompete:
Doris Deutinger (Ottenhofen)
Ulrich Dierschke (Grafing)
Felix Hofmeir (Geisenfeld)
Michael Morgott (Eichstätt)
Boris Olschewski (Freising)
Matthias Schelle (Unterhaching)
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Posaune:
Carola Burth (Ingolstadt)
Ingo Kuerten (Mering)
Tammo Wüsthoff (Eching b. München)
Baßposaune:
Martin Kallensee (Poing)
Euphonium:
Philipp Kufner (Mering)
Christoph Metten (Passau)
Tuba:
Andreas Hofmeir (Geisenfeld)
Solveig Retzlaff (Soyen)
Kontrabaß:
Fritz Berg (Schliersee)
Klavier:
Arnim Wittich (Kochel am See)
Harfe:
Alexander Mangstl (Prien)
Schlagzeug:
Ursula Haydl (Germering)
Bernhard Henke (Gars a. Inn)
Robert Wachinger (München)
Helmut Wagner (München)
Gerrit Wüsthoff (München) |
Das Akademische Blasorchester München feiert 1997 sein 20jähriges Jubiläum. Diese Tatsache hat natürlich die Überlegungen des stolzen Vaters bzw. Gründers Michael Kummer hinsichtlich der Programmgestaltung beeinflußt. Ganz im Vordergrund stand dabei der Wunsch, durchwegs Werke mit positiver, ja optimistischer Grundhaltung zu kombinieren, die neben unzweifelhafter musikalischer Qualität von hohem Unterhaltungswert sein sollten.
Der erste Teil vereint drei Komponisten aus der alten Sowjetunion, die sich in jedem Werk die Aufgabe gestellt hatten, ihre Mitmenschen mit leicht zugänglicher doch gleichwohl zeitgenössischer Musik zu erfreuen. Dimitri Kabalevski schrieb seine Oper »Colas Breugnon« im Jahre 1937 nach einer Romanvorlage von Romain Rolland. Die Geschichte spielt in Frankreich des 16. Jahrhunderts und erzählt die Anstrengungen von Colas den grausamen Herzog von Clamecy abzusetzen. Colas wird so zu einem burgundischen Robin Hood, der gleichzeitig Narr und Philosoph, Weinbauer und Künstler ist. Die Ouvertüre bringt den Hörer unmittelbar in die Stimmung der darauf folgenden Handlung und schleudert ihn buchstäblich in den ersten Akt der Oper.
Der sowjetisch-armenische Komponist Alexander Arutiunian wurde im Westen wohl nur mit einem Werk bekannt, seinem im Jahre 1951 entstandenen Trompetenkonzert. Er hat dieses Konzert für einen herausragenden Künstler, den Trompetenvirtuosen Timofej Dokschitzer, verfaßt, der das Stück nach seiner Emigration in die USA sehr populär gemacht hat. Die klassische dreisätzige Form wurde vom Komponisten kunstvoll erweitert und alle vier Hauptabschnitte gehen nach einer Einleitung nahtlos ineinander über. Sowohl für den Solisten wie auch für das Orchester erweist sich das Konzert als ein virtuoses Meisterwerk ersten Ranges.
Der Bekannteste der drei, Sergej Prokowjew, verfaßte im Jahre 1934 sein Opus 60, die Musik zu dem satirischen Spielfilm »Lieutenant Kijé«, aus der er später die bekannte Suite für Sinfonieorchester zusammenstellte. Der Film macht sich mit drastischen Mitteln über die Macht der stets zur Eigendynamik tendierenden Bürokratie lustig und erzählt die Geschichte eines Leutnants, der sein ?Leben? einer Schlampigkeit auf einer Schreibstube einer Kaserne verdankt. Obwohl er nur auf dem Papier existiert macht er eine erstaunliche Karriere, heiratet sogar und muß schließlich unfreiwillig wieder aus dem Leben scheiden, da eine Revisionskommission aus dem fernen Moskau den ganzen Schwindel auffliegen zu lassen droht. Obwohl im zaristischen Rußland angesiedelt enthält der Film auch eine Menge Zeitsatire, die durchaus auf die damals aktuellen Zustände der noch weniger als 20 Jahre alten Sowjetunion anspielte. Prokowjew erweist sich in diesem Werk einmal mehr als Großmeister der musikalischen Karikatur. Er verbindet Militärmusikfloskeln mit Elementen aus der russichen Volksmusik zu einem im höchsten Grade inspirierten und anregenden Werk, das sich seinen festen Platz im internationalen Repertoire nicht zu Unrecht erobert hat. Die kongeniale Umsetzung für sinfonisches Blasorchester von Joseph Kanz wird zum ersten Male aufgeführt.
Im zweiten Teil erklingt Musik neuesten Datums, welche aber gleichwohl voll unter den eingangs postulierten Kriterien zu werten ist. 1995 veröffentlichte der mittlerweile auch bei uns bekannt gewordene amerikanische Komponist Alfred Reed seine »Fifth Suite für Blasorchester« mit dem Untertitel Internationale Tänze. Er schrieb das Werk für das japanische Shimonoseki Wind Ensemble und brachte aus diesem Anlaß auch original japanische Melodien in den 3. Satz der Suite. Die anderen drei Sätze präsentieren typische Tanzweisen aus Amerika, Frankreich und Israel. Letzterer ist eine aus Rumänien stammende Hora, welche mit stilistischen Elementen der sogenannten Klezmer-Klarinettenspielweise angereichert worden ist.
Das große Finale des Jubiläumskonzertes stellen die 1994 entstandenen »Paris Sketches« des englischen Komponisten Martin Ellerby dar. Dieses farbenfrohe Werk fängt in vier Sätzen die Atmosphäre verschiedener Stadtteile von Paris ein und widmet jeden einem berühmten Komponisten, der dort sein Leben verbracht hatte. So wird im ersten Satz - Saint-Germain-des-Prés - mit der musikalischen Darstellung eines Sonnenaufganges der Geist Maurice Ravels beschworen. Der zweite Satz - Pigalle - ist ein burlesques Ballett-Scherzo in einem humoristischen Strawinkski trifft Prokowjew-Stil. Erik Satie liegt auf dem Friedhof Père Lachaise, der gleichnamige dritte Satz ist eine posthume Referenz an dessen Gymnopedie - der Ruhepunkt in dem sonst so übersprudelnden Werk. Diese Haltung kommt aber im letzten Satz - Les Halles - wieder voll zum Tragen und bringt als Höhepunkt des Werkes ein Zitat des hier in der Kirche St. Eustache 1855 uraufgeführten Te Deums von Hector Berlioz.
Michael Kummer
Rainer Hauf, Trompete, geb. 1971. Ab 1979 Trompetenunterricht bei Michael Kling. 1984 Vorstudium am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg bei Wolfgang Siegert, von 1989-92 Studium am Richard-Strauss-Konservatorium in München bei Uwe Komischke. Seit 1994 Externstudium bei Ralf Scholtes (Staatsoper München). Zahlreiche Solokonzerte mit Trompete und Orgel bzw. Orchester. Außerdem Tätigkeit als Dozent beim Musikbund von Ober- und Niederbayern. |
Interview mit dem musikalischen Leiter
Michael Kummer anläßlich des 20jährigen Jubiläums des "Akademischen Blasorchesters München"
Red.: Herr Kummer, das Akademische Blasorchester München wird heuer 20 Jahre alt. Wir würden von Ihnen gerne ein wenig zu seiner Entstehungsgeschichte hören.
MK: Nun ja, die Anfänge sind sogar noch ein wenig älter. Ausgangspunkt war eigentlich ein Musikerstammtisch im Weißen Bräuhaus in München, wo sich einige Studenten nach ihrer Dienstzeit beim Musikkorps allwöchentlich trafen. So um das Jahr 1974 rum wurde da der Gedanke entwickelt, nach dem Vorbild des Militärs ein ziviles Ensemble zu etablieren, unter anderem auch aus der Überlegung heraus, daß die Ehemaligen ja vielleicht auch gerne weiter zusammen Musik machen wollten.
Red.: Wurde aus diesen Gedanken damals auch etwas Konkretes? Schließlich braucht man da ja dafür schon einige Voraussetzungen und muß ziemlich Energie einsetzen.
MK: Tatsächlich gelang es zumindest für kurze Zeit ein kleines Orchester zu etablieren. Ich erinnere mich noch gut an die erste Probe vier wackere Mannen trafen sich in einer wahrhaft abenteuerlichen Besetzung Piccoloflöte, Oboe, Euphonium und Tuba und probten in einem Pfarrsaal der evangelischen Kirche an der Nymphenburger Straße zwei Stunden lang.
Red.: Sie waren damals schon dabei?
MK: Ich war der Tubist. Das Instrument war ich gerade dabei zu erlernen und aus gegebenen Anlaß mußte ich sogleich spielen, was übrigens einen erheblichen Übemotivationsschub ergab, vor allem, wenn man der Einzige war. Die Leitung hatte der Flötist (und gelernte Kapellmeister) Joseph Kanz, späterer Leiter des Hessischen Polizeimusikkorps in Wiesbaden, mit dem ich meine Studentenwohnung teilte. Die ursprüngliche Idee ist wohl auch hauptsächlich auf unserem Mist gewachsen.
Red.: Und wie ging das dann weiter? Wurden neue Leute dazu gewonnen?
MK: Von Anfang an waren wohl so um die 15 Mitwirkende dabei, nur bei der ersten Probe, die sicher sehr kurzfristig angesetzt wurde, konnten halt nicht mehr teilnehmen. Im Laufe der Wochen und Monate wurden es dann so etwa 25. Wir probten regelmäßig im Probenraum des Motettenchores unter der Matthäuskirche und hatten auch ein paar kleinere Auftritte.
Red.: Wieso eigentlich Akademisches Blasorchester? Oder kam der Name erst später?
MK: Nein, nein, das war gleich von Anfang an. Die Namensfindung für ein neues Ensemble scheint ja immer ein Problem zu sein. Wir haben damals auch ziemlich lange rumgesucht und sind schließlich beim Akademischen gelandet. Aufhänger war, daß ja fast alle Mitspieler studierten und außerdem bewirkte der Name, in alphabethischen Listen immer am Anfang zu stehen. Später sollte es sich noch als sehr passend herausstellen, da die Konzerte dann in der Großen Aula der Universität stattfanden.
Red.: Bis dahin war’s ja noch ein längerer Weg. Zunächst jedoch verschwand das erste Blasorchester doch wieder von der Bildfläche.
MK: So ist es. Nach einem guten Jahr mehr oder weniger regelmäßiger Probenarbeit und einigen kleinen Auftritten zeigte es sich, daß die gefundene Struktur nicht funktionstüchtig war.
Red.: Die üblichen Streitereien?
MK: Eigentlich weniger. Das Hauptproblem war, daß die meisten Spieler einfach zu viel zu tun hatten, als daß sie regelmäßig jede Woche einmal zusammentreffen konnten. Außerdem war eigentlich kein klares Ziel erkennbar, wo es denn hingehen sollte. So tröpfelte es dahin und letztendlich wollte dann keiner mehr so recht.
Red.: Zu Beginn des Sommersemesters 1978 kam es dann aber doch zu einem Neuanfang mit einem Konzert unter Ihrer Leitung.
MK: Ich hatte mich mit dem Scheitern nie so recht abgefunden und war der Meinung, daß wir es nur falsch gemacht hatten. Ich dachte, vor allem müßte man es genau anders herum aufziehen. Nicht mehr oder weniger planlos herumproben, sondern ein klares Ziel fixieren und dieses realisieren. Ich habe so auf eigene Rechnung den Konzertsaal der Musikhochschule gemietet und versucht, die benötigten Spieler für einen sehr kompakten Probenplan zu finden, was mir kraft vieler Kontakte beim eigenen Musizieren dann auch geglückt ist.
Red.: Das Konzert war dann ein voller Erfolg.
MK: Nun, das kann man nicht gerade sagen. Die Zeit für Werbung war sehr kurz und so hatten wir nur etwa 100 Besucher. Trotz guter Aufnahme beim Publikum war’s vom Finanziellen her natürlich ein Fiasko. Ich hatte am Ende DM 800, Verbindlichkeiten, die ich privat zu bezahlen hatte nicht wenig für einen Studenten. Schlimmer noch, ein zweiter Versuch nach einem halben Jahr ermutigt durch die Begeisterung der Mitwirkenden scheiterte völlig. Der gemietete Saal diesmal die Große Aula der Universität war trotz fester Zusage ganz kurzfristig nicht zugänglich und alle Verlegungsversuche scheiterten. So hatte ich am Ende nur die Möglichkeit die erschienenen Konzertbesucher unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu schicken.
Red.: Das hört sich ja an, als wäre die Sache damit an einem Ende angekommen. Sie ließen sich jedoch nicht entmutigen.
MK: In der Tat wartete ich zunächst einmal ab, daß ich mich finanziell erholen würde und dachte nach, was ich vom Prinzip her verkehrt gemacht hatte. Am Ende wurde mir klar, daß ich einfach zu kurzfristig gedacht und geplant hatte. Ein Jahr später nunmehr mit einem halben Jahr Vorlaufzeit startete ich den nächsten Versuch und jetzt klappte es. Die Konzerte wurden danach zu einer festen Einrichtung und wurden jeweils zu Beginn des Sommersemesters in der Aula abgehalten. Der Zuspruch wurde bald so groß, daß das Konzert an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gespielt werden mußte, Spitzenbesucherzahlen kamen auf etwa 1300 Zuhörer an beiden Tagen zusammen.
Red.: Wie finanzierte sich denn nun das Ganze?
MK: Das Grundprinzip war und ist daß jeder der Beteiligten ohne Gage spielt, auch der Dirigent erhält kein Honorar. Anders läßt sich ein Apparat dieser Größe nicht auf nicht-professioneller Basis am Leben erhalten. Der Eintritt zu den Konzerten war damals kostenlos eine Auflage der Universitätsverwaltung und die durchgeführten Sammlungen von freiwilligen Spenden deckten in etwa die Kosten, die bei einer Konzertveranstaltung sonst noch anfallen, wie etwa Werbekosten oder Programme.
Red.: Ihre Programmgestaltung hat sich im Laufe der Jahre grundlegend geändert. Was war damals so auf den Programmzetteln gestanden?
MK: In den ersten 10 Jahren haben wir fast ausschließlich Bearbeitungen von Werken der unterhaltenden symphonischen Literatur gespielt. Da gab es die Meistersinger-Ouvertüre, Griegs Peer Gynt, Bizets Arlésienne-Suiten oder Dukas’ Zauberlehrling um mal einige zu nennen. Auch Solowerke standen immer wieder auf dem Programm. Interessanterweise können Liebhaber-Symphonieorchester solche Dinge ja nur spielen, wenn sie sehr gut sind. Und das war auch für mich immer sehr reizvoll, zu zeigen, was mit dem Blasinstrumentarium denn so alles möglich ist. Außerdem komme ich ja von der klassischen Musik her und so war meine Repertoirekenntnis der originalen Blasmusik eher begrenzt. Und dem gängigen Klischee der Blaskapellen mit ihren Märschen und Polkas wollten wir nicht folgen. Das war eine ganz andere Schiene. Nein, das ABO sollte eine Art besonderes Symphonieorchester sein nur eben mit einem anderen Instrumentarium.
Red.: Soviel einmal zur Geschichte. Wie sieht es denn heute aus? In der Großen Aula der Universität spielen Sie ja heute nicht mehr.
MK: Im Laufe der Jahre hat sich eine ganze Menge geändert. Zum einen kam ich zu Beginn der 80er Jahre durch Studienaufenthalte in England mit Literatur in Berührung, die mich von Anfang an fasziniert hatte und die bei uns kaum gespielt wurde. Im anglo-amerikanischen Bereich bildete sich vornehmlich an den US-Universitäten eine Blasmusikkultur von sehr hohem Niveau. Ich lernte Werke von Komponisten wie Percy Grainger, Norman dello Joio, John Barnes Chance, Gustav Holst, Ralph Vaughan Williams, Edward Gregson oder Philip Sparke, um nur mal ein paar zu nennen, kennen und entdeckte für mich Musik mit einem sehr hohen künstlerischen Potential. Ich fand, das ist die Literatur, die es bei uns nicht gibt, ein Bindeglied zwischen sog. U- und E-Musik, also ernsthafte Musik mit einem sehr hohen Unterhaltungswert.
Red.: Und solche Werke brachten Sie nun in Ihre Konzertprogramme. Wie reagierte das Publikum, wie die Musiker?
MK: Bei den Musikern setzte sich das Neue unmittelbar und ohne Reibungsverluste durch, einfach weil diese Musik wunderbar und mit hohem Wirkungsgrad zu musizieren ist. Niemand mußte jetzt auf einer Klarinette eine Violine imitieren, alles war direkt in die Instrumente hineingeschrieben und es klang. Für das Publikum war’s und ist es sicher schwerer. Hier gibt es kaum bekannte Werke, also solche Selbstläufer wie sie in der symphonischen Musik sonst zu finden sind. Alles ist neu und daher erst einmal bekannt zu machen. Leider zeigt die gesamte Musikgeschichte, daß auch der kulturell Interessierte hier seine Schwierigkeiten hat und der Satz Was der Bauer net kennt... nur zu oft seine Berechtigung hat.
Red.: Wer ist denn heute Ihr Publikum?
MK: Mittlerweile gibt es einen bescheidenen Kreis der Anhänger, meist wohl aus dem Bekanntenkreis der Mitwirkenden rekrutiert. Als Beispiel war letztes Jahr des Carl-Orff-Saal im Gasteig restlos ausverkauft ein Ergebnis, das sicher zu Optimismus Anlaß gibt. Der hier beschriebene Mechanismus ist ja nicht München-spezifisch. Auf der ganzen Welt besteht das Bläser-Publikum zum überwiegenden Teil aus Spezialisten, sehr oft aus Leuten, die selbst ein Blasinstrument spielen und aus dieser Szene kommen. Ich denke, die Aktiven von heute das wird das Publikum der Zukunft, aber leider erst morgen. Die Entwicklung ist eine der kleinen Schritte. Eigentlich schade, denn im Gegensatz zu vielem Zeitgenössischen auf der E-Szene finden sich in dieser Gattung wirklich viele leicht konsumierbare Stücke, die einem aufgeschlossenen Hörer auch den Zugang zu noch ganz anderen Welten öffnen könnten.
Red.: Sie spielen heute im Kulturzentrum Gasteig, zu früheren Zeiten ein ziemlicher Aufstieg. Haben Sie auch im organisatorischen Veränderungen vorgenommen, oder müssen Sie heute noch alles aus eigener Tasche finanzieren?
MK: (lacht) Nein, Gottseidank sind diese Zeiten vorbei. Wir haben seit einigen Jahren eine solide, wenn auch bescheidene Finanzierung. Ein schlagkräftiges Team arbeitet hier zusammen unter dem Dach eines Fördervereines namens Freundeskreis des A.B.O. Durch gute Planungs- und Werbearbeit besteht heute ein Etat, mit dem sich die jeweilige Konzertphase sicher vorfinanzieren läßt. Wir machen jetzt schon fünf Jahre lang das gleiche Planungsschema, welches sich wunderbar bewährt. Voraussetzung sind drei Wochenendarbeitsphasen, denn die Mitwirkenden kommen aus sehr verschiedenen Teilen von Bayern. Jeder der mitmachen will, muß zu 100% Zeit haben, sonst geht es nicht. Das Ergebnis dieser im Monatsabstand durchgeführten Arbeitsphasen wird dann in drei Konzerten präsentiert. Sie sehen, wir haben hier ein klares Konzept mit einer überschaubaren Belastung für jedermann. Und jeder ich eingeschlossen weiß von vorneherein, daß die eingebrachte Leistung von allen geteilt wird und damit ein effizientes Arbeiten ermöglicht wird.
Red.: Der erreichte Leistungsstandard wurde in den vergangenen Jahren auch vom Bayerischen Rundfunk anerkannt.
MK: Ja, in den Jahren ’95 und ’96 konnten wir an je einem Produktionswochenende im Studio 1 des BR jeweils einen Teil des Jahresprogrammes unter idealen Bedingungen produzieren. Als Frucht dieser Zusammenarbeit entstand eine CD mit diesen Aufnahmen, die im Februar hergestellt wird und dann auf dem Markt erhältlich sein wird.
Red.: Ich denke, wir können uns unter diesen Vorzeichen in die Reihe der Gratulanten einreihen und wünschen Ihnen und Ihrem Orchester auch für die nächsten 20 Jahre viel Glück. Wir danken Ihnen sehr herzlich für das Gespräch. |
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